Neu Was der Angstindex nicht misst →

Dr. Max Dehne · Soziologe

Wie Angst in Gesellschaften entsteht, wen sie trifft und wie wir mit ihr umgehen.

Ob und wovor Menschen Angst haben, hängt von sozialer Lage und Kultur ab. Das gilt ebenso für die Wege, mit Angst umzugehen, die eine Gesellschaft nahelegt, bereitstellt oder verwehrt. Ich erforsche diese Bedingungen und übersetze die Ergebnisse in Vorträge, Beratung und Software.

AngstKontrolleVertrauenRisikokommunikationEmotionen & KI

Soziologisches Modell der Angst

Was Menschen für bedroht, wahrscheinlich und kontrollierbar halten und welche Angst als angemessen gilt, ist sozial geprägt. Wählen Sie einen Teil des Modells.
Forschung und Lehre u. a. mitSpringer VSMax-Weber-Kolleg ErfurtSOEP · DIW Berlinpro mente LinzAlice-Salomon-Hochschule

Empirie

Was die Daten über Angst in Deutschland zeigen

Fünf Befunde aus der Dissertation „Soziologie der Angst“ (Springer VS 2017).

Kontingenzangst 1992–2013

≈ 1,8

Das Niveau bleibt über zwei Jahrzehnte niedrig.

Auf einer Skala von 1 bis 4 bewegt sich die Verunsicherung in Deutschland durchgehend zwischen 1,6 und 1,9. Für die Diagnose einer „Angstgesellschaft“ finden sich keine Hinweise.

1234Skala 1 (selten) bis 4 (häufig)199219951997200820131,65 im Jahr 2013
Punkte überfahren für Einzelwerte

Neu gezeichnet nach Dehne 2017. Werte aus der Originalgrafik abgelesen (±0,02). Gestrichelt: Lücken in der Zeitreihe.

Theorie

Ein soziologisches Modell der Angst

Soziale Lage, Kultur, Medien und Institutionen prägen vier Einschätzungen: Etwas Wichtiges gilt als bedroht, der Schaden erscheint wahrscheinlich oder die Lage ungewiss, das Geschehen scheint kaum kontrollierbar, und Emotionsnormen regeln, wer sich fürchten darf. Aus dem Zusammenspiel entsteht Angst, und die Bewältigung wirkt auf die Einschätzungen zurück. Wählen Sie einen Teil des Modells.

Zentrum

Angst

Angst entsteht, wenn etwas Wichtiges als bedroht gilt, der Schaden wahrscheinlich oder die Lage ungewiss erscheint und sich das Geschehen kaum kontrollieren lässt. Im Modell ist sie eine ungelöste Spannung zwischen solchen Bewertungen, kein diffuses Grundgefühl. Konkrete Angst richtet sich auf eine bestimmte Bedrohung, Kontingenzangst ist das Leiden an der Unbestimmtheit selbst.

Beide Formen schließen einander nicht aus. Im Labor als Bewertungsnetz simulierbar.

Zur Simulation im Labor →

Das Modell orientiert sich an Theorien dynamischer Systeme und neuronaler Netzwerke: Die Einschätzungen bilden ein Netz sozial geprägter Bewertungen, in dem jedes Element eine Überzeugungs- und eine Wunschkomponente trägt, im Modell Ausprägung und Wichtigkeit genannt, dazu die Salienz als Wahrscheinlichkeit, überhaupt aktiviert zu werden. Sozial bedingt ist jede Station dieses Prozesses: die Einschätzungstendenzen, die Menschen aus Lage und Kultur in jede Situation mitbringen, das Wissen über konkrete Bedrohungen, die Rückwirkung bestehender Angst auf neue Einschätzungen und die Bewältigung.

Forschungslinie

Emotionen & Künstliche Intelligenz

Das Angstmodell ist an Theorien neuronaler Netze orientiert. KI hilft, das Modell zum Laufen zu bringen, und das Modell hilft, KI zu verstehen.

Labor

Vom Buch zur Simulation

Das Bewertungsnetz aus der Theorie läuft als Software. Sprachmodelle bewerten reale Nachrichten, das Netz zeigt, wie daraus Angst entsteht.

Simulation ausprobieren →

Emotions-KI

Was Emotionserkennung übersieht

Gesichter und Stimmungswörter reichen nicht. Ohne sozialen Kontext greift Emotions-KI systematisch daneben.

Vortrag anfragen →

KI-Sicherheit

KI-Verhalten soziologisch lesen

Die Soziologie abweichenden Verhaltens macht Regelumgehung von Sprachmodellen vorhersagbar und prüfbar.

Weiterlesen →

Im Labor: die Simulation als frei durchspielbare Demo mit Erläuterung der Theorie und ein Recherche-Assistent, der Fragen an eine kuratierte soziologische Literatursammlung mit Quellen- und Seitenbelegen beantwortet (Zugang auf Einladung).

Ins Labor →

Einordnung: KI-Systeme fühlen nicht und wollen nichts. Es geht darum, Muster menschlichen Verhaltens in Trainingsdaten mit sozialwissenschaftlichen Werkzeugen sichtbar zu machen. Diese Arbeitslinien sind eigene Weiterführungen der „Soziologie der Angst“.

Zur Person

Profil

Soziologe gesellschaftlicher Verunsicherung: Forschung, Beratungspraxis und Technik.

Max Dehne hat Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaften an der FU Berlin studiert und am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt promoviert (Dr. phil., magna cum laude; Gutachter: Hartmut Rosa und Gert G. Wagner). Seine Dissertation „Soziologie der Angst" (Springer VS 2017) ist die bislang systematischste deutschsprachige soziologische Untersuchung von Angst. Empirisch geprägt hat ihn zuvor die Arbeit beim Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am DIW Berlin, wo er das Big-Five-Persönlichkeitsinstrument der Langzeitstudie mitentwickelt hat.

Neben der Forschung steht eine zweite Laufbahn in der Beratung: Ausbildung zum systemisch-integrativen Therapeuten, mehrjährige Praxis in systemischer Familienberatung und -therapie sowie sieben Jahre als Berater beim Kinder- und Jugendtelefon Berlin. Sein Forschungsthema hat er dabei immer wieder in die Beratungspraxis übersetzt — etwa als Leiter der Weiterbildung „Angst in der psychosozialen Beratung" (pro mente, Linz) und als Ausbilder zum Thema Angst für die Telefon- und E-Mail-Beratung der Diakonie. Er weiß also nicht nur, wie Angst gesellschaftlich entsteht, sondern auch, wie ihr Menschen im Beratungsgespräch begegnen.

Die dritte Laufbahn ist technisch: über 15 Jahre Erfahrung als Softwareentwickler, Product Owner und Projektleiter an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis — von Blended-Counseling-Apps für die Soziale Arbeit über Serious Games für die Suchtprävention bis zur Leitung eines länderübergreifenden DigitalPakt-Schule-Projekts am Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ), inklusive KI-gestützter Plattformentwicklung.

Diese Kombination aus Forschung, Beratungspraxis und Technik prägt die Arbeit an Emotionen & KI: Die Frage, wie sich soziale Bewertungsdynamiken modellieren lassen, beantwortet er nicht nur theoretisch — die Simulationen und Werkzeuge im Labor dieser Seite sind eigene Entwicklungen.

Stationen

  • seit 2024Projektleiter DigitalPakt-Schule-Projekt „TBA III" am Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg (ISQ)
  • 2023–2024Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Entwickler bei der Stiftung SPI, Berlin — Konzeption eines settingbasierten Programms schulischer Suchtprävention samt Serious Game „NEON", Evaluationsdesign mit der Medizinischen Hochschule Hannover
  • 2016–heuteKonzeption und Entwicklung wissenschaftlich fundierter digitaler Werkzeuge (u. a. Blended-Counseling-App iuvivo, Serious Game NEON)
  • 2019–2023Senior Fullstack-Entwickler, Berater und Product Owner (Young Digitals, Berlin); 2022 Interim-CTO
  • 2014–2018Systemische Beratung und Familientherapie (Erziehungs- und Familienberatung, ambulante Familienhilfe, Berlin)
  • 2011–2018Ehrenamtlicher Berater beim Kinder- und Jugendtelefon Berlin (Telefon- und E-Mail-Beratung)
  • 2008–2016Promotion am Max-Weber-Kolleg, Universität Erfurt (Stipendiat des Stifterverbandes)
  • 2007–2008Gastwissenschaftler beim Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), DIW Berlin — Mitentwicklung des Big-Five-Instruments

Publikationen (Auswahl)

  • Dehne, M. (2024): Anomische Gefühle: Angst. In: Zink/Diefenbach (Hrsg.), Einführung in die soziologische Emotions- und Affektforschung, S. 245–252. DeGruyter Oldenbourg.
  • Dehne, M. (2017): Soziologie der Angst. Konzeptuelle Grundlagen, soziale Bedingungen und empirische Analysen. Springer VS, Wiesbaden.
  • von Scheve, C. & Dehne, M. (2016): Anomie und Gefühl. In: Mixa u. a. (Hrsg.), Un-Wohlgefühle. Eine Kulturanalyse gegenwärtiger Befindlichkeiten, S. 23–43. transcript, Bielefeld.
  • Dehne, M. (2012): Wieso, weshalb, warum? Attribution und die Entstehung (negativer) Emotionen. In: Schnabel/Schützeichel (Hrsg.), Emotionen, Sozialstruktur und Moderne, S. 139–158. VS Verlag, Wiesbaden.
  • Dehne, M. & Schupp, J. (2007): Persönlichkeitsmerkmale im Sozio-oekonomischen Panel (SOEP): Konzept, Umsetzung und empirische Eigenschaften. DIW Research Notes 26.

Lehre & Vorträge (Auswahl)

  • Lehraufträge „Soziologie der Emotionen" (Universität Erfurt 2010/11; Alice-Salomon-Hochschule Berlin 2019)
  • Keynote „Angst und Gesellschaft" (Tag der Gesundheit, pro mente, Linz 2017)
  • „Leben wir in einer Angstgesellschaft?" (Fachtag Alice-Salomon-Hochschule, Berlin 2019)
  • „Sozial-kognitive Bedingungen von Angst" (Tagung „Sprache und Angst", Universität Heidelberg 2018)
  • „Fear and Anxiety in European Countries" (EU-Russia Civil Society Forum, Berlin 2017)
  • Weiterbildung „Angst in der psychosozialen Beratung" für Fachkräfte (pro mente, Linz 2017)
  • Ausbilder zum Thema Angst für die Telefon- und E-Mail-Beratung der Diakonie (Berlin 2017)
Buchcover: Max Dehne, Soziologie der Angst (Springer VS)

Publikation · Springer VS, 2017

Soziologie der Angst

Konzeptuelle Grundlagen, soziale Bedingungen und empirische Analysen

Die Dissertation entwickelt Grundlagen für eine systematische soziologische Untersuchung von Angst: ein interdisziplinär anschlussfähiges Konzept, ein dynamisches Prozessmodell und empirische Analysen zur historischen Entwicklung und sozialen Verteilung von Angst.

Zusammenarbeit

Für wen ich arbeite

Für Medien

Einordnung und Interviews zu Angst, Verunsicherung, Vertrauen und Risikokommunikation, differenziert statt alarmistisch. Auch zu KI-Ängsten und auffälligem KI-Verhalten.

Interview anfragen →
FormatUmfangInhalt
Impulsvortrag60–90 Min.Für Führung, Teams oder Fachpublikum
Analyse-Workshophalb-/ganztägigEin konkretes Thema entlang des Modells
Beratungsmodul2–6 WochenAnalyse, Workshop, Handlungsempfehlungen
Monitoringnach AbspracheForschungsnahe Beobachtung von Diskursen oder Veränderungsprozessen

Themenfelder

Desinformation, Polarisierung & Vertrauensverlust

Warum Verunsicherung ein Einfallstor für Desinformation ist — und welche Rolle Kontroll- und Vertrauensverlust bei Polarisierung spielen.

Krisen- und Risikokommunikation

Wie Institutionen über Bedrohungen sprechen können, ohne Angst zu verstärken: Ungewissheit kommunizieren, Kontrollierbarkeit realistisch einordnen.

Organisationen unter Unsicherheit

Wie Organisationen mit Kontrollverlust und Ungewissheit umgehen — von Vermeidungsroutinen bis zu produktiver Bewältigung.

Gesellschaftliche Angstbewältigung

Wie Gruppen und Gesellschaften Angst verschieben, beruhigen, verstärken oder politisch nutzen: Coping, Umdeutung, Schuldzuschreibung, Kontrollsuche.

Klima-, Sicherheits- und Zukunftsängste

Differenzierte Analyse statt Alarmismus: Welche Ängste wachsen tatsächlich, welche nicht — und was folgt daraus für Politik und Öffentlichkeit?

Emotionen & Künstliche Intelligenz

Ein netzwerkbasiertes Modell dynamischer Bewertungsprozesse als soziologischer Bezugspunkt für die Debatte um Emotionen, LLM-Verhalten und KI-Sicherheit.

Pressefoto auf Anfrage. Keine Psychotherapie und keine individuelle Behandlung von Angststörungen: Es geht um gesellschaftliche, institutionelle und kommunikative Formen des Umgangs mit Angst.

Kontakt

Anfrage für Vortrag, Interview oder Beratung

kontakt@maxdehne.de